Klima-was? Wen interessiert's?

In dem Film "Cowspiracy" wurden imposante Zahlen genannt, hier ein kurzer Abriss dazu:

 

Die Viehbestände der Nutztierhaltung erzeugen mehr Treibhausgase als alle Autos, LKW, Züge, Schiffe und Flugzeuge zusammen. Und Methangas (Kuhfurz) ist 68 x schädlicher als das CO2 der Fahrzeuge.

 

Für die Produktion von 450 Gramm Fleisch werden ca. 9.500 Liter Wasser verbraucht, für einen Burger durchschnittlich 2.500 Liter. Die tägliche Wasserersparnis hingegen, die durch Sparspülung etc. erreicht wird, liegt im Vergleich bei ca. 180 Litern.

 

Etwa 90 % des Amazonas-Regenwaldes wurden bereits durch Nutztierhaltung zerstört. Die Regenwälder sind die Lunge der Erde. Mehr als 1.100 Naturschutz-Aktivisten wurden in den letzten 20 Jahren in Brasilien getötet, weil sie sich für deren Erhalt einsetzten.

 

1812     1 Mrd. Menschen

1912     1,5 Mrd. Menschen

2012     7 Mrd. Menschen und

            70 Mrd. (!) Nutztiere

 

21 Mrd. Liter Wasser verbrauchen die Menschen täglich,

170 Mrd. verbraucht das Nutzvieh.

 

9,5 Mrd. Kg Nahrungsmittel verbrauchen die Menschen täglich,

15, 9 Mrd. verbraucht das Nutzvieh.

 

Das alles, damit die Menschen Fleisch und Milchprodukte essen können.

 

Ein Amerikaner isst jährlich ca. 95 Kg Fleisch.

 

95 Kg x 20.000 Liter Wasser = ca. 2 Mio. Liter Wasser

 

Bei ca. 314 Mio. Amerikanern sind das 628.000.000.000.000 Liter Wasser (628 Billionen).

 

Hinderlich für das Verständnis dieser Zahlen ist natürlich, dass diese für den mentalen Geist einfach nicht mehr fassbar sind. Schon ab über einer Million schaltet das Gehirn meist in den Egalitäts-Modus.

 

Es gibt inzwischen haufenweise Filme, Dokumentationen und Berichte über den Klimawandel und die bereits stattfindenden dramatischen Veränderungen auf der Erde. Aktuell tobt die DiCaprio-Doku „Before the flood“ durch das Netz. Wir wissen inzwischen auch alle, dass wir etwa 1,6 Erden benötigen, um unseren aktuellen Ressourcenverbrauch zu decken.

 

Warum machen wir weiter wie bisher?

 

Zunächst einmal muss man wissen, dass die Erde in der Wirtschaftswelt keinen Wert hat, die Umwelt taucht in volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen einfach nicht auf. Wert hat nur, was gehandelt wird, aus diesem Grund ist auch zum Beispiel unsere Atemluft nichts wert. Auch die Meere nicht, nicht einmal der Mensch, ausgenommen seine Arbeitskraft. Die Wälder sind nichts wert, lediglich das Holz der gefällten Bäume usw. In den USA stehen Tierrechts- und Umweltaktivisten ganz oben auf der Liste der terroristischen Bedrohungen im Inland, da sie eine potentielle Gefahr darstellen, Profite der Industrie zu schmälern.

 

Spüren wir eigentlich etwas von den Auswirkungen, diesen angeblich so dramatischen Veränderungen, die eine Erderwärmung mit sich bringt, wie dem Ansteigen des Meeresspiegels? Spüren wir das gigantische Artensterben in der Pflanzen- und Tierwelt? Spüren wir etwas von der Wasserknappheit, von irgendwelchen Dürren? Berühren diese Themen unseren Alltag?

 

Wirtschaftlich ist natürlich das am interessantesten, was nur begrenzt vorhanden ist. Unser Trinkwasser könnte es tatsächlich bald schaffen, sich als VIP in der Wirtschaftswelt zu etablieren, aber wird es uns dann berühren oder zahlen wir einfach den Preis und essen weiterhin unsere 60 – 100 Kg Fleisch pro Jahr? Der jährliche Pro-Kopf-Wasserverbrauch liegt mit dieser Verzehrmenge zwischen ein bis zwei Millionen Litern, der übliche Alltagsverbrauch noch nicht eingerechnet. Um ein Auto herzustellen, werden 400.000 Liter Wasser verbraucht, für ein Kilogramm Kaffee sind es 21.000 Liter, sogar die Produktion eines Liters Apfelsaft verursacht einen Wasserverbrauch von 950 Litern.

 

Zahlreiche Versuche, die Menschen durch Fakten wie die obigen zu einer Änderung ihres eigenen Verhaltens zu bewegen, scheitern wohl daran, dass sie sich einfach nicht persönlich berührt fühlen. Der direkte Zusammenhang zwischen dem, was täglich auf ihren Tellern liegt, ihrem Konsumverhalten insgesamt und den Umweltkatastrophen ist nicht sichtbar, nicht spürbar, für viele nicht einmal kognitiv erfassbar. Selbst die unmittelbaren Auswirkungen der Nahrungsaufnahme auf den Körper und das Gemüt sind meist unbekannte Welten, und dieser Fakt macht deutlich, dass wir die äußerst intime und unausweichliche Verbindung zur (Körper-)Natur mit ihrer Lebendigkeit irgendwie verloren haben.

 

Etwa 84 Elemente (plus ein paar Edelgase) sind die materielle Grundlage unserer Welt. Alles Manifeste – auch unser Körper - formt sich aus diesen Elementen, und es gibt eine existentielle Abhängigkeit des Menschen von der Gesundheit der Erde, die in einem gesunden Klima die passende Dosis Sonnenlicht, saubere Atemluft, sauberes Wasser und energie- und substanzgebende Nahrung für uns bereit stellt.

 

Der Transhumanismus möchte sich dieser Abhängigkeit entziehen und setzt der Entwicklung, wo sich der Mensch nicht mehr als integraler Teil der Natur und der Erde, sondern als getrennt und erhaben fühlt, die Krone auf: Wenn wir als beseelte Maschinen durch die Natur streifen, brauchen wir weder den Sauerstoff aus der Atemluft, noch irgendwelche Nahrung als Energiequellen, und auch sauberes Wasser ist dann im wahrsten Sinne des Wortes „überflüssig“. Die Filme „A. I. – Künstliche Intelligenz“ und „WALL-E – Der letzte räumt die Erde auf“ zeigten solche Szenarien bereits eindrücklich.

 

Welche Möglichkeiten gibt es nun, Einfluss zu nehmen auf den Klimawandel – und wer will das überhaupt?

 

Der Schlüssel liegt in unserer persönlichen Bewusstwerdung und Berührbarkeit, und ganz konkret in unserem Konsumverhalten. Würde die Nachfrage nach Tierprodukten spürbar sinken und gleichzeitig die Nachfrage nach pflanzlichen Produkten spürbar ansteigen, würde sich auch der (Welt-)Markt verändern. In Berlin („Vegan City“) passiert das bereits in größerem Stil, wobei ich die Herstellung der vielen so genannten Fleischersatzprodukte auch als problematisch bewerte. Diese Entwicklung zeigt jedoch ganz deutlich, wie schnell die Märkte sich anpassen. Bleibt noch die Frage, wer das überhaupt will….

 

06.11.2016 – ssw