Gesunde Verhältnisse

Eine erneut entflammte Diskussion zum Thema KOKOSÖL nehme ich als Anlass, die Wichtigkeit gesunder Verhältnisse wieder in den Fokus zu rücken:

 

Wie bei den allermeisten Ernährungsthemen, die medial im Schnellfeuermodus in unseren mentalen Verdauungsapparat gepfeffert werden, oftmals mit den Worten "Studien haben ergeben, dass...", wurden auch beim Thema Kokosöl die wichtigsten Grundlagen außer Acht gelassen.

 

1. Die Menge

Um ein objektives Bild zu bekommen, müssen wir den Anteil der verzehrten Menge an Kokosöl in Relation zur Gesamtnahrungsmenge setzen.

 

2. Die Qualität der Ernährung im Ganzen

Ebenso ist es wichtig, die Qualität der "übrigen" Nahrungsmittel, die täglich verzehrt werden, in das Bild einzubeziehen. Essen wir beispielsweise viele Fleisch-, Milch-, Getreide- oder Fertigprodukte, sollte deren Anteil an gesättigten Fetten oder Transfetten Anlass zu einer sehr kritischen Betrachtung geben. Eine überwiegend aus frischen pflanzlichen Zutaten zusammengesetzte Ernährungsweise birgt dagegen nur sehr selten Grund zur Sorge. Ausgewogenheit ist der Schlüssel.

 

3. Die Lebensweise im Ganzen

Stress und Anspannung verhindern eine optimale Verdauung. Das liegt hauptsächlich daran, dass Verdauung den "parasympathischen Ast" des vegetativen Nervensystems benötigt, der "sympathische Ast" jedoch bei ständiger (auch Denk!-)Aktivität dauerhaft im Einsatz ist und seinem Gegenspieler keine Chance lässt. Eine gute Verdauung aber beginnt und endet mit Entspannung, also parasympathisch. Ebenso sind eine Dauerbelastung des Verdauungssystems durch ständige Nahrungszufuhr und natürlich Bewegungsmangel riesige Verwertungshindernisse.

 

Hier liegt im Übrigen auch der Hase im Pfeffer jenseits der Diskussion über gesättigte und ungesättigte Fette und über gutes und böses Cholesterin: Stress - und damit die dauerhafte Sympathikus-Aktivität - nährt überschießende chronisch entzündliche Prozesse im Körper und bereitet damit den Boden für nahezu alle chronisch-degenerativen Erkrankungen wie Diabetes, Herz-/Kreislaufleiden, Krebs etc.

 

4. Die unterschiedlichen Verwertungstypen

Es gibt keine Ernährungsweise, die für jeden und überall nur gut ist. Alter, Geschlecht, Klima, Konstitution/Veranlagung, Vorlieben und Abneigungen, Allergien und andere Dispositionen sowie viele weitere Aspekte - auch neben den oben bereits genannten - müssen einbezogen werden, wenn wir eine gute Einschätzung vornehmen möchten, ob ein Lebens- oder Nahrungsmittel für eine Person gut ist oder nicht.

 

5. Die Natürlichkeit der Nahrung als Kriterium

Weißer, isolierter Zucker kommt in der Natur nicht vor. Die Auswirkungen des übermäßigen Verzehrs sind nicht zu übersehen und werden doch immer wieder geleugnet. Dass gesättigte Fette per se schlecht seien, stimmt einfach nicht, wir brauchen beides: gesättigte und ungesättigte Fette - und genau so kommen sie in pflanzlicher Nahrung vor.

 

Fazit: Wie immer macht die Dosis das Gift. Und je natürlicher ein Lebensmittel und die Gesamternährung ist, desto besser ist in der Regel die Verwertbarkeit. Genau darauf kommt es nämlich am meisten an. Bei einer Fastfood-to go-Ernährung und einem konstant hohen Alltags-Stresslevel macht es wenig Sinn, die teuersten Superfoods zu schlucken, auch wenn sie laut Studien Wunder bewirken können: Genau das können sie eben in einem solchen Fall nicht.

 

ssw 24.06.2017