Der Mythos vom vielen Wassertrinken

Ja - Wasser ist eines unserer wichtigsten Lebensmittel, und jeder kennt den Satz "Du musst viel trinken!". Was aber ist wirklich dran an der gängigen Empfehlung, mindestens zwei oder gar drei Liter Wasser pro Tag zu trinken?

 

Zuerst einmal müssen wir wissen, warum unser Körper überhaupt Wasser benötigt, und dann ist natürlich noch interessant, wovon die benötigte Menge eigentlich abhängt.

 

Der Körper besteht zu etwa 60 bis 75 % aus Wasser

 

In jeder Zelle und im Blut finden wir über 50 % Wasser, um die Zellen herum (im Zwischenzellraum inklusive der Lymphbahnen insgesamt circa 10 Liter) sowie in weiteren Körperflüssigkeiten, zum Beispiel in den Gelenken etc.

 

Wasser bildet die Basis zur Aufrechterhaltung aller Körperfunktionen, da beispielsweise der Stoffaustausch (Vital-/Nährstoffe in die Zellen rein, Abfallstoffe aus den Zellen raus) und auch alle chemischen Reaktionen innerhalb der Zellen im wässrigen Medium vonstattengehen. Ein gutes Beispiel ist der Sauerstofftransport und der Kohlendioxid-Abtransport über das Blut - eine enorme Dauerleistung des Körpers, ohne die wir sehr schnell sterben würden.

 

Es ist also - auch aus weiteren Gründen - außerordentlich wichtig, dass ausreichend Wasser sowie Elektrolyte, die den Wasserhaushalt regeln, im Körper vorhanden sind. Da wir täglich zwecks Entsorgung der Stoffwechselabfälle über die Urin- und Stuhlausscheidung und auch über die Haut und die Ausatmung durchschnittlich (!) etwa 2,5 Liter Wasser "verlieren", müssen wir diese Menge irgendwie wieder ausgleichen.

 

Was genau bedeutet dieses "irgendwie"?

 

Das ist der Punkt: Pauschalaussagen berücksichtigen in keiner Weise die individuelle Lebensstil- und Ernährungsweise, genau davon hängt der Wasserbedarf allerdings ab und dieser kann stark schwanken.

 

Welche EInflussfaktoren sind am wichtigsten?

  • Die Klima-/Umweltverhältnisse
    (Außen-/Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit; dIe Menge der Schweißausscheidung ist auch jahreszeitlich unterschiedlich)
  • Die Bewegung 
    (Schweißausscheidung bei viel oder wenig Bewegung, vermehrtes Schwitzen beim Sport)
  • Das Alter/das Gewicht
    (vermehrtes Schwitzen in den Wechseljahren oder bei Übergewicht)
  • Die tägliche Lebensmittel-/Nahrungsmittelwahl
    ("wasserspendende" Lebensmittel vs. "wasserverbrauchende" Nahrungsmittel, die aufgenommene Menge an Nahrung, die Qualität der Nahrung und des Salzes)
  • DIe tägliche Getränkewahl
    (was wird neben Wasser noch konsumiert? Tee, Kaffee, Alkohol, Säfte, Light-/Softdrinks,...?)
  • Die Trinkwasserqualität
    (strukturiertes/unstrukturiertes Wasser; im strukturierten Wasser beschleunigen sich Prozesse wie die Absorption und die Lösung von Stoffen)
  • Die Elektrolyte
    (mögliche Verschiebungen durch übermäßiges Trinken, Abführmittel, Darmerkrankungen, dauerhafte Fehlernährung, Flüssigkeitsverluste nach Alkoholkonsum oder bei Durchfall, Diabetes etc.) 
  • Der Eiweiß-/Hormonhaushalt
    (Wassereinlagerungen bei Eiweißmangel durch fehlenden osmotischen Druck; hormonelle Ungleichgewichte)
  • Der Rhythmus
    (Rhythmus der Nahrungsaufnahme, Ausscheidungsphasen)

 

BEISPIELE

 

Eine reine Rohkosternährung mit hoher Nährstoffdichte (mit viel Gemüse und Wildkräutern zum Beispiel) liefert dem Körper viel gutes, strukturiertes Wasser, so dass der Bedarf an "Trinkwasser" grundsätzlch eher gering ist. Ein hoher Anteil an tierischen Eiweißen (Fleisch/Fisch, Eier, Milchprodukte) führt dagegen zu einem erhöhten Wasserbedarf, da beim Verdauungsvorgang unter anderem Ammoniak - ein starkes Zellgift - anfällt, welches "entschärft" und ausgeschieden werden muss. Regelmäßiges Schwitzen (Sport, hohe Außentemperatur, etc.) erhöht in beiden Fällen den Wasser- und auch den Elektrolytbedarf, da über die Haut Wasser und gelöste Mineralsalze austreten.

 

Die russische Ärztin und Wissenschaftlerin Galina Schatalova hat mit ihren bis zu 500 Kilometer langen Wüstenwanderungen (auch noch im Alter von über 70 Jahren) eindrücklich unter Beweis gestellt, dass viele unserer Theorien über den Wasser- und Kalorienbedarf schlicht falsch sind. Die Teilnehmer sind unter extremen Wüstenbedingungen mit einer minimalen Wassermenge (im Rahmen einer "artgerechten" kalorienarmen Ernährung) ausgekommen und waren in bester Verfassung, haben teilweise sogar an Gewicht zugenommen. Frau Schatalova stellte auch fest, dass der Durst beim Genuss von strukturiertem Wasser schneller nachließ als beim Genuss von unstrukturiertem Wasser.

 

Wie bewusst gehe ich mit meinem Körper und seinen Bedürfnissen um?

 

Im Zuge einer Gesundheits- und Ernährungsoptimierung ist es hilfreich, einen persönlichen Fakten-Check anhand der oben genannten Punkte durchzuführen. Hierzu noch ein paar Anhaltspunkte:

 

Tägliche Ausscheidungsmenge*

 

1,5 L über den Urin

200 ml über den Stuhl

300 ml über die Haut

500 ml über die Ausatemluft

 

Tägliche Zufuhrmenge**

 

1,5 L Trinkwasser

600 ml Wasseranteil in der Nahrung (siehe Anmerkungen weiter oben)

400 ml Oxidationswasser aus der Nahrung (wird bei Verstoffwechselung frei)

Wieviel Wasser wir beim Duschen oder Baden über die Haut aufnehmen können, ist umstritten.

 

(*/** Es handelt sich jeweils um Durchschnittswerte gesunder Menschen bei Mischkost und moderater Bewegung.)

 

Noch ein Hinweis:

 

Es ist nicht sinnvoll, einfach "vorsorglich" große Mengen an Wasser zu trinken, da bei Volumenüberschuss schnell eine hormonelle Gegenregulation einsetzt und viel Flüssigkeit samt Mineralsalzen ausgeschieden wird. Eine dabei entstehende Elektrolytverschiebung produziert erneuten Durst, was einen sehr ungesunden Kreislauf in Gang setzt... Fastenzeiten - besonders über Nacht und am Vormittag - von 14 bis 18 Stunden täglich haben einen sehr positiven Effekt auf die Gesamt-Hormonregulation des Körpers und damit auch auf die Regulation des Wasserhaushaltes (Stichwort Intermittierendes Fasten/Intervallfasten).

 

FAZIT

 

Eine sinnvolle und effektive Regulation des Wasserhaushaltes ist am besten zu erreichen

  1. über die Qualität des aufgenommenen Wassers (sowohl des Trink- als auch des "Nahrungswassers")
  2. über die Ernährungsgewohnheiten

 

ssw 08.05.2018

 

(Bei Fragen wenden Sie sich bitte gern über das Kontaktformular an mich; es besteht auch die Möglichkeit des Austausches in der Facebook-Gruppe food optimizer - Ernährung im Fokus von Gesundheit und Wohlbefinden.)